Für mehr Informationen, bitte die jeweiligen Arten anklicken.

 

Heuschrecken

In Deutschland gibt aktuell 85 Arten von Heuschrecken. Die Heuschrecken gliedern sich in Langfühler- und Kurzfühlerschecken.

Der aktuelle Verlust der Artenvielfalt betrifft auch die Heuschrecken. Eine veränderte Landnutzung mit gravierenden, quantitativen und qualitativen Veränderung der Landschaft wie

  • Zerstörung von Lebensräumen durch Überbauung oder Aufforstung
  • Nutzungsintensivierung von Flächen
  • Ablösung von kleinteilig strukturierten Landschaften zu Gunsten immer größer zusammenhängender Flächen
  • Bewirtschaftung von Flächen durch zu häufiges Mähen oder Mulchen
  • Veränderungen im Wasserhaushalt und damit zum Verlust von Feuchtwiesen
  • Verlust von Wiesen und Weiden, die natürlich bewirtschaftet werden
  • Umbruch von Grünland in Ackerflächen
  • abnehmende Qualität der Lebensräume durch Stickstoffeinträge und damit verbunden die Ansiedlung von Neophyten

sind Hauptgründe dafür.

In der aktuellen Roten Liste der gefährdeten Heuschreckenarten Deutschlands sind derzeit 34 Arten eine Gefährdungskategorie zugeordnet - das sind über 40% der deutschen Heuschreckenfauna. Zwei Arten gelten als ausgestorben, neun Arten sind vom Aussterben bedroht, 14 Arten gelten als stark gefährdet und vier Arten als gefährdet.

 

Heuschrecken als Bioindikator

Aufgrund der Lebensraumansprüche bestimmter Heuschreckenarten eignet sich diese Organismengruppe gut zur Charakterisierung und Zustandsbeurteilung von Trockenbiotopen. Heuschrecken reagieren sehr empfindlich auf Änderungen der Bewirtschaftung und des Klimas. Da sie mehrheitlich ihren gesamten Lebenszyklus im selben Lebensraum verbringen, können sie gut als Biotopindikator verwendet werden.

Bei der Beurteilung der Heuschreckenpopulationen werden verschiedene ökologische Kennwerte herangezogen. Diese sind neben Habitatbindung und Mobilität, auch Temperatur- und Feuchtezahl, Körpergewicht und der aktuelle Bestandstrend sowie der Rote-Liste-Status.

Fartmann, Thomas & Poniatowski, Dominik - Verbereitungsatlas der Heuschrecken und Fangschrecken Deutschland, Ulmer-Verlag, 2025

 

Habitatbindung

Grad der Spezialisierung einer Art bei der Besiedlung von Lebensräumen. Unterschieden wird zwischen gering und hoch. Arten mit geringer Habitatbindung bevorzugen in der Regel zahlreiche und mitunter sehr unterschiedliche Lebensräume (Habitatgeneralisten). Arten mit hoher Habitatbindung stellen dagegen hohe Ansprüche an ihren Lebensraum. Diese Arten können daher nur in wenigen, ökologisch ähnlichen Habitaten angetroffen werden (Habitatspezialisten)

Mobilität

Maß für die Ausbreitungsfähigkeit der jeweiligen Art unter den gegenwärtigen Umweltbedingungen. Es wird zwischen geringer und hoher Mobilität unterschieden. Arten mit einer geringen Mobilität sind zumeist nicht in der Lage, größere Distanzen zwischen Habitatinseln in unserer Landschaft zu überbrücken, so dass das Ausbreitungspotenzial dementsprechend gering ist. Dagegen verfügen hochmobile Arten über die Fähigkeit, neue Populationen fernab der nächsten Vorkommen zu begründen.

Temperatur- und Feuchtezahl

Die Temperatur hat - neben der Feuchte - einen starken Einfluss auf die Verteilung der Heuschrecken im Habitat, da sie von großer Bedeutung für die Ei- und Larvalentwicklung ist. Einer können ungünstigen Wetter- oder Witterungsbedingungen nicht durch Ortsveränderung ausweichen und Larven können dies meist nur in sehr geringem Umfang. Zudem verbringen das Gros der heimischen Arten eine viel längere Zeit im Ei-, als im Larval- oder Imaginalstadium.

Die Einstufung der Temperatur erfolgt von 1=kalt bis 9=heiß.

Für die erfolgreiche Entwicklung benötigen die Eier der Heuschrecken eine artspezifische Feuchtigkeit, denn die Trockenresistenz der Eier variiert von Art zu Art. Die Feuchtigkeitszahl wird von 1=sehr trocken bis hin zu 9=nass eingestuft. Die Stufen 1 bis 3 (sehr trocken bis trocken) werden als xerophil, die Stufen 4 bis 6 (trocken bis frisch) als mesophil und die Stufen 7 bis 9 (feucht bis nass) als hygrophil bezeichnet. 

Körpergewicht

Heuschrecken treten meist in hoher Individuendichte auf und haben dementsprechend eine hohe Biomasse. Sie gelten als wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche Tiere, wie Säugetieren, Reptilien, Vögel, aber auch Spinnen, andere Insekten usw..

Veränderungen der Biomasse der Heuschrecken haben somit eine große Auswirkungen auf die nächsten Ebenen. Daher sollte die Biomasse bei der Erhebung berücksichtigt werden. 

Für die in Deutschland vorkommenden Arten gibt es nach Fartmann et al. 2024 eine Tabelle.

Zur Erfassung der Biomasse bietet sich das Isolationsquadrat (siehe Monitoring und Kartierung) an, da so schnell und zuverlässig die Individuendichte auf einer Fläche erfasst werden kann und mit den Gewichtsangaben verrechnet werden können.

Bestandstrend

Der Bestandstrend gibt die Bestandsveränderungen der letzten 25-30 Jahren wieder. Grundlage sind die Roten Listen der Heu- und Fangschrecken Deutschlands. Eingestuft wird in die Kategorien sehr starke Abnahme, starke Abnahme, mäßige Abnahme, Abnahme in unbekanntem Ausmaßes, stabil, deutliche Zunahme und Daten ungenügend.

Rote-Liste-Status

Er ist eine Einstufung der aktuellen Gefährdung der Deutschland etablierten Arten. Es gibt Rote Listen für Deutschland sowie für die einzelnen Bundesländer.

Die Einstufung erfolgt in 0=Ausgestorben, 1= vom Aussterben bedroht, 2= stark gefährdet, 3=gefährdet, R=extrem selten, V=Vorwarnliste, D=Daten unzureichend und *=ungefährdet

 

 

Monitoring und Kartierung der Heuschrecken

Heuschrecken werden von uns mittels Keschern, Verhören (Heuschrecken haben charakteristische Lautäußerungen) und mit einem sogenannten Isolationsquadrat (siehe Foto links) erhoben. Das Isolationsquadrat ist die beste Methode, um Aussagen über die Individuenzahlen von Flächen zu erlangen.